2.Psychiatriewoche im Kreis Herzogtum Lauenburg Psychiatrie der Gegenwart im Kreis Herzogtum Lauenburg
Psychisch krank – ganz normal
Schwarzenbek (ae) – Psychisch krank zu sein, wird ein bisschen normaler. Das zeigte jedenfalls die Auftaktveranstaltung im Schwarzenbeker Rathaus zur 2. Psychiatriewoche im Kreis Herzogtum Lauenburg. Kathrin Roßberg von dem Verein Brücke SH und Andreas Adelmeyer vom sozialpsychiatrischen Dienst führten kompetent durch den Abend. Vertreter aus Verwaltung, Politik, Hilfseinrichtungen, Selbsthilfevereinen sowie Psychiatrie-Erfahrene und Angehörige waren eingeladen, das Thema „Psychisch krank“ zu diskutieren. Was ist in den letzten Jahren passiert, wie empfinden Betroffene die Hilfen, wird genug geholfen und mit welchen Unwegbarkeiten haben auch Hilfsorganisationen zu tun? Diese Themen wurden in zwei Gesprächskreisen erörtert und lebhaft und bemerkenswert offen diskutiert. „Die Psychiatrie der Gegenwart im Kreis ist eine recht junge Geschichte, die eigentlich erst vor 26 Jahren begonnen hat“ erzählt Kathrin Roßberg. Bis heute habe sich aber viel getan und Einrichtungen wie die Tagesklinik in Schwarzenbek, der Krisendienst und diverse Selbsthilfegruppen wie „Arbeit nach Maß“ und „Füreinander Miteinander“ wurden ins Leben gerufen. „Wenn es einem psychisch nicht so gut geht, man seelisch krank und vielleicht geistig behindert ist, so ist das ein Stück weit normaler geworden“ so Roßberg. Man gehe heute gelassener mit dem Thema um, ist auch der Eindruck von Bürgermeister Frank Ruppert. „An erster Stelle stehe die Hilfe für den Menschen“, bekräftigte Landrat Krämer, der als Bürgermeister vor zehn Jahren den Bau der Schwarzenbeker Tagesklinik unterstützt hat. Mittlerweile ist eine weitere in Mölln entstanden. Die Eingliederung von psychisch Kranken in ein normales Leben über Sportvereine, den Kirchenchor oder andere Institutionen, ist ein Wunsch von Monika Brieger, die in der psychiatrischen Abteilung des Johanniter-Krankenhauses in Geesthacht arbeitet. Aus Erfahrung weiß sie, dass jeder betroffen sein kann. Am Wochenende müsse es mehr Möglichkeiten geben, Notfälle aufzufangen, so Brieger weiter. Aus Sicht der Angehörigen wurde der Wunsch geäußert, diese offen einzubinden, damit Angehörige sich nicht ausgeschlossen fühlen. Außerdem sollten für stabile psychisch Erkrankte mehr Arbeitsmöglichkeiten geschaffen werden, da Arbeit und Beschäftigung mit am Wichtigsten für diese Gruppe sei. Leider sei das Gegenteil der Fall und wer einmal psychisch krank war und das im Lebenslauf nicht verbergen kann, hat es enorm schwer, einen Arbeitsplatz zu finden. Aus dem Kreise der Psychiatrie-Erfahrenen kam der Wunsch nach mehr Selbsthilfegruppen und nicht ausschließlich verhaltenspsychologischer sondern tiefenpsychologischer Therapien. Der Arbeitskreis „Kinder und Jugendliche“ machte die Anregung, ein Patenschaftsmodell für die Kinder zu entwickeln, deren Eltern erkrankt sind. In Hamburg sei das Modell gut angekommen und solle auch im Kreis Herzogtum Lauenburg umgesetzt werden.
Neben gehaltvollen Gesprächen wurde auch ein kulturelles Rahmenprogramm dargeboten. Neben Gitarrenmusik und Gesang zeigte die Trommelgruppe „Gut Lanken“ ihr Können und auch die Möllner LHW-Theatergruppe „Drachenfutter“ brachte die Gäste mit einem Stück über Sinn und Unsinn von Verordnungen und Begrenzungen zum Lachen.
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