Künstlerhaus Lauenburg: Drei Wünsche im Namen der Kunst

„Das ist heute ein Gefühl wie Weihnachten“, ist Bürgervorsteher Andreas Lojek begeistert. Zum 25sten Jubiläum des Künstlerhauses am vergangenen Wochenende (21.-23.10.2011) fanden sich Lauenburger, hochrangige Gäste aus Kultur, Politik und Wirtschaft sowie rund 35 ehemalige Stipendiaten im Künstlerhaus ein. „Das Künstlerhaus boomt dank des bewundernswerten Einsatzes des Vereins mit Ulrike Mechau-Krasemann als Vorsitzende“, ist Lojek voll des Lobes. Im Namen des Bürgermeisters, der sich auf Auslandsreise befand, überbrachte er den  Dank der Stadt an den ehrenamtlich tätigen Verein, der ein abwechslungsreiches Kunst-Wochenende organisiert hatte.  Auch  Kreispräsident Meinhard Füllner  und Staatssekretär Eckhard Zirkmann vom Bildungs- und Kulturministerium in Kiel erklärten die Solidarität von Kreis und Land mit dem Engagement des Künstlerhauses. Sie sprachen sich deutlich dafür aus, die bisherige Förderung  zu erhalten. „Es wurde in der Vergangenheit genug gekürzt, jetzt ist das Ende der Fahnenstange erreicht“, so Zirkmann. Dafür gab es gebührenden Beifall der Gäste.

 

Mehr Autonomie von Kunst

Gastredner Dr. Piereangelo Maset von der Leuphana Universität Lüneburg sprach sich für mehr Autonomie von Kunst aus, die leider in Zeiten von Medien- und Popkultur immer mehr zu einem Teil der Unterhaltungskultur geworden sei. Das Künstlerhaus sei ein wichtiger Baustein, um Kunst in ihrer eigentlichen Form fortzusetzen. Er hofft, dass zukünftig auch Werke von Künstlern in Lauenburg zu sehen sind, die nicht unbedingt Stipendiaten waren oder sind sowie mehr Präsenz der künstlerischen Aktivitäten in Lauenburg im Lüneburger Raum.

 

Drei Wünsche
Zum Geburtstag hat man ja bekanntlich den einen oder anderen Wunsch frei.  Ulrike Mechau-Krasemann hatte zum silbernen Jubiläum des Künstlerhauses drei im Gepäck: „Wir wünschen uns eine hauptamtliche Stelle eines Kurators oder einer Kuratorin, Hinweise in der Stadt wo das Künstlerhaus zu finden ist und natürlich ein schönes Wochenende zu unserem 25-jährigen Jubiläum“, so die Vorsitzende des Künstlerhaus Lauenburg/Elbe.  Highlight des bunt gestalteten Wochenendes war die Eröffnung der langersehnten „Stadtgalerie Lauenburg am Hagenström“ an der Elbstraße 28. Mit Unterstützung des Unternehmens Fielmann und weiterer Sponsoren ist es gelungen, 25 Jahren zeitgenössischer Kunst endlich eine Heimat zu geben, an der sich Bürger und Bürgerinnen sowie Gäste der Stadt erfreuen können. Sie wird gefüllt mit den Werken, die die Künstler am Ende ihres Stipendiums dem Künstlerhaus übergeben. „Bereits seit Entstehung des Künstlerhauses gab es die Vision der Stadtgalerie“, erläuterte die zweite Vorsitzende des Vereins, Dr. Ursula Schild. Zeitgenössische Kunst hat nun endlich in Lauenburg ihren Platz gefunden und kann sich weiter etablieren.

 

Die lange Nacht der Literatur am Freitagabend war ebenso beeindruckend, wie die Uraufführung der Kompositionsstipendiaten Noriko Kawakami und Daniel Moreira am Sonnabend. Einen besinnlichen Abschluss stellte die Lesung von Arne Rautenkranz anlässlich des Gottesdienstes sowie die Klassik-Matinee am Sonntag dar.


Das sagen Kunststipendiaten über ihre Zeit in Lauenburg:

Bild 1:

Alexander Häusser, 51, Literatur und Youssef Tabti, 43, Fotografie, beide Hamburg (Stipendium 2008)
haben sich während ihres Stipendiums in Lauenburg gegenseitig inspiriert und Text und Fotografie zu einem Gemeinschaftsprojekt kombiniert. Titel: Edvard - Warten auf den versprochenen Augenblick. Youssef Tabti präsentierte das Projekt bereits in Marseille, Istanbul, Paris, Hannover, Kiel und natürlich in Lauenburg. Der gesprochene Text wird in verschiedensten Fotoarrangements gehört und wirkt so immer wieder anders.  Der komplette Roman von Alexander Häusser wird im Frühjahr 2012 erwartet.

 

Bild 2:

Eva Ammermann, 52, Fotografie, lebt in Kuddewörde (Stipendium 2007)
hat davon profitiert, konzentriert für einen längeren Zeitraum an einem Projekt zu arbeiten. Nach ihrem Stipendium wurde sie Mitglied im Lauenburger Kunstverein und sieht die sechs Monate als Startschuss in ihre Künstlerlaufbahn. Als Modedesignerin hat sie sich mit ihrem Label L’aliment in Hamburg und Basel einen Namen gemacht. Ihr Projekt „Kunst im öffentlichen Raum“ mit Fotos und Interviews von Häusern in Lauenburg  und deren Bewohner ist in der Stadtgalerie zu sehen.  

 

Bild 3:

Nicole Heinzel, 35, Rauminstallation,  zog von Kiel nach Solothurn/Schweiz (Stipendium 2004)
Ihr Walstöpsel beweist, warum Schiffe immer Frauennamen tragen… oder auch nicht. Fiktion und Realität vermischt sie zu neuen oder „verrückten“ Geschichten. Auch Einsteins Relativitätstheorie legt sie in die Hände von Frau Einstein. Das Stipendium in Lauenburg war für sie eine wichtige Starthilfe in das selbstständige Künstlerleben. Heute arbeitet sie mit über 120 Künstlern in einem großen Atelier in Bern.

www.kuenstlerhaus-lauenburg.de