Montessori-Schule in Baek bei Ratzeburg Einzige Schule in freier Trägerschaft im Kreis Herzogtum Lauenburg

Hilf mir, es selbst zu tun

Ratzeburg (ae) – Als fleißige Stille könnte man die Atmosphäre bezeichnen, wenn man das Haus der Montessori-Schule in Baek bei Ratzeburg betritt. Keine große Schulhalle erwartet einen, sondern ein wohnlicher Bereich. Ein Strauß frischer Blumen und ein großer Obstteller wirken einladend. „Die Lehrer wechseln sich jede Woche ab, für frische Blumen und Obst zu sorgen“ erzählt Natascha von Allwörden, Marktforscherin und Mitglied der ehrenamtlichen Geschäftsführung. Die Kinder haben es sich mit Hausschuhen auf dem Teppich bequem gemacht und tüfteln in Freiarbeit allein oder in Partnerübung an speziellen Aufgaben. Die Freiarbeit ist das Kernstück der reformpädagogischen Arbeit nach Montessori.


Auf zwei Etagen verteilt werden zurzeit 43 Kinder der ersten und zweiten Klasse unterrichtet. Zwischen 7.30 Uhr und 8.00 Uhr müssen alle Kinder da sein. In den ersten beiden Stunden beschäftigen sie sich klassenübergreifend in Freiarbeit und können so ihr Starttempo in den Schultag selbst bestimmen. Sie können wählen, ob sie in den Mathematikraum gehen oder sich lieber mit Sprache und Schrift beschäftigen wollen. Auch über eine eigene kleine Druckerei verfügt die Schule, wo die Kinder lernen ihre eigenen Texte zu setzen. Ganze Geschichten setzen sie mit Begeisterung. In einem weiteren Raum geht es um kosmische Erziehung, wo die Kinder die Geheimnisse der Welt entdecken. Speziell entwickeltes Montessori-Unterrichtsmaterial hilft ihnen beim Lernen. Sie fachsimpeln untereinander, aber jederzeit sind zwei Lehrer oder Freiarbeitsassistenten mit der erforderlichen Montessori-Ausbildung dabei, um die Kinder zu inspirieren Antworten, aber auch Fragen zu entwickeln.

 

„Die Beobachtung des einzelnen Kindes und Förderung ist ein ganz wesentlicher Faktor“, berichtet Andreas Hagenkötter, Rechtsanwalt und ebenfalls Mitglied der Geschäftsführung. Die Kinder können selbstständig Erfahrungen machen und haben ein viel größeres Erfolgserlebnis, wenn sie die Lösung zu einem Problem selbst gefunden haben. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Lehrkräfte in diesen zwei Stunden für jeden Einzelnen Zeit finden und sich dann ganz speziell mit diesem einen Kind beschäftigen. Die Kinder genießen das und freuen sich über die Zuwendung. Sie werden in ihren Stärken gefördert, aber auch individuell gefordert. Bevor nach zehn Uhr der ebenfalls notwendige Frontalunterricht losgeht, wird erst gemeinsam gefrühstückt und dann geht es raus auf den Spielplatz zum Austoben. „Die Montessori-Schule ist wie die staatlichen Schulen auch an die Lehrpläne gebunden, nur dass unsere Kinder anders, eben entspannter, individueller und mit Freude am Lernen zum Ziel kommen“ so Andreas Hagenkötter.

Wie entsteht eine Schule in freier Trägerschaft?

Die Montessori-Schule in Baek bei Ratzeburg wurde 2006 durch eine Initiative von fünf Ehepaaren gegründet. „Eine eigene Schule war eigentlich nicht geplant. Ein Montessori-Zweig an einer staatlichen Schule hätte uns gereicht, aber leider hatte der Schulleiter nicht einmal Zeit, sich unseren Vorschlag überhaupt anzuhören“ erzählt Andreas Hagenkötter. Man wollte aber keinen Einheitsbrei für die Kinder und die Förderung der Individualität war und ist den Eltern sehr wichtig. Also entschied man sich für den Aufbau einer eigenen Montessori-Schule.

 

Es war der richtige Weg, denn die erste Klasse war im Handumdrehen voll und in diesem Jahr wurden wieder 23 Kinder eingeschult. Die Eltern sind gerne bereit, ein Schulgeld von 154 Euro zu zahlen und verzichten dafür auch mal auf einen Urlaub. „Alles eine Frage der Prioritätensetzung“ ist die Aussage.

 

Der Aufbau einer Schule in freier Trägerschaft ist nach Aussage der Geschäftsführung ein großer Aufwand, aber die Montessori-Eltern würden es immer wieder tun. Ungefähr zehn bis zwölf Stunden in der Woche müsse man investieren, zeige die Erfahrung. „Eine Schule in freier Trägerschaft wird nie ohne die Initiative der Eltern entstehen“ erklärt der Rechtsanwalt Hagenkötter. Er macht anderen Eltern Mut, diesen Schritt zu wagen. Das pädagogische Konzept sei weniger das Problem als die Finanzierungsstruktur, da Privatschulen erst nach zwei Jahren, und dann auch nur 80 % der Schulkostenbeträge erhalten. Das gilt auch nur für Anträge ab 2008, die Montessori-Schule in Baek muss nach dem alten Gesetz insgesamt drei Jahre ohne staatliche Unterstützung auskommen. Deshalb geht es auch nicht ohne zusätzliche Spendengelder der Eltern. „Trotzdem ist sie eine öffentliche Schule und wird wie alle anderen auch zu Kreisveranstaltungen eingeladen und ist als zusätzliches Bildungsangebot akzeptiert“ bemerkt Hagenkötter.

Für die Zukunft macht man sich Gedanken, wie es nach der Grundschule weitergehen soll und denkt bereits über eine Weiterentwicklung nach. Auch in den staatlichen Schulen in Ratzeburg sind seit Bestehen der Montessori-Schule zumindest teilweise positive Veränderungen bemerkbar. „Ob ein Zusammenhang mit uns besteht, wissen wir nicht, aber es gibt jetzt Klassen, in denen die Kinder erst gemeinsam frühstücken bevor es in die Pause geht und Hausschuhe tragen, damit sie im Winter nicht in dicken Stiefeln schwitzen müssen.“ berichtet Natascha von Allwörden.

zurück