Künstlerhaus Lauenburg: Drei Wünsche im Namen der Kunst
„Das ist heute ein Gefühl wie Weihnachten“, ist Bürgervorsteher Andreas Lojek begeistert. Zum 25sten Jubiläum des Künstlerhauses am vergangenen Wochenende fanden sich Lauenburger, hochrangige Gäste aus Kultur, Politik und Wirtschaft sowie rund 35 ehemalige Stipendiaten im Künstlerhaus ein. „Das Künstlerhaus boomt dank des bewundernswerten Einsatzes des Vereins mit Ulrike Mechau-Krasemann als Vorsitzende“, ist Lojek voll des Lobes. Im Namen des Bürgermeisters, der sich auf Auslandsreise befand, überbrachte er den Dank der Stadt an den ehrenamtlich tätigen Verein, der ein abwechslungsreiches Kunst-Wochenende organisiert hatte. Auch Kreispräsident Meinhard Füllner und Staatssekretär Eckhard Zirkmann vom Bildungs- und Kulturministerium in Kiel erklärten die Solidarität von Kreis und Land mit dem Engagement des Künstlerhauses. Sie sprachen sich deutlich dafür aus, die bisherige Förderung zu erhalten. „Es wurde in der Vergangenheit genug gekürzt, jetzt ist das Ende der Fahnenstange erreicht“, so Zirkmann. Dafür gab es gebührenden Beifall der Gäste.
Gastredner Dr. Piereangelo Maset von der Leuphana Universität Lüneburg sprach sich für mehr Autonomie von Kunst aus, die leider in Zeiten von Medien- und Popkultur immer mehr zu einem Teil der Unterhaltungskultur geworden sei. Das Künstlerhaus sei ein wichtiger Baustein, um Kunst in ihrer eigentlichen Form fortzusetzen. Er hofft, dass zukünftig auch Werke von Künstlern in Lauenburg zu sehen sind, die nicht unbedingt Stipendiaten waren oder sind sowie mehr Präsenz der künstlerischen Aktivitäten in Lauenburg im Lüneburger Raum.
Zum Geburtstag hat man ja bekanntlich den einen oder anderen Wunsch frei. Ulrike Mechau-Krasemann hatte zum silbernen Jubiläum des Künstlerhauses drei im Gepäck: „Wir wünschen uns eine hauptamtliche Stelle eines Kurators oder einer Kuratorin, Hinweise in der Stadt wo das Künstlerhaus zu finden ist und natürlich ein schönes Wochenende zu unserem 25-jährigen Jubiläum“, so die Vorsitzende des Künstlerhaus Lauenburg/Elbe. Highlight des bunt gestalteten Wochenendes war die Eröffnung der langersehnten „Stadtgalerie Lauenburg am Hagenström“ an der Elbstraße 28. Mit Unterstützung des Unternehmens Fielmann und weiterer Sponsoren ist es gelungen, 25 Jahren zeitgenössischer Kunst endlich eine Heimat zu geben, an der sich Bürger und Bürgerinnen sowie Gäste der Stadt erfreuen können. Sie wird gefüllt mit den Werken, die die Künstler am Ende ihres Stipendiums dem Künstlerhaus übergeben. „Bereits seit Entstehung des Künstlerhauses gab es die Vision der Stadtgalerie“, erläuterte die zweite Vorsitzende des Vereins, Dr. Ursula Schild. Zeitgenössische Kunst hat nun endlich in Lauenburg ihren Platz gefunden und kann sich weiter etablieren. Die lange Nacht der Literatur am Freitagabend war ebenso beeindruckend, wie die Uraufführung der Kompositionsstipendiaten Noriko Kawakami und Daniel Moreira am Sonnabend. Einen besinnlichen Abschluss stellte die Lesung von Arne Rautenkranz anlässlich des Gottesdienstes sowie die Klassik-Matinee am Sonntag dar.
Das sagen Kunststipendiaten über ihre Zeit in Lauenburg:
Bild 1:
Alexander Häusser, 51, Literatur und Youssef Tabti, 43, Fotografie, beide Hamburg (Stipendium 2008)
haben sich während ihres Stipendiums in Lauenburg gegenseitig inspiriert und Text und Fotografie zu einem Gemeinschaftsprojekt kombiniert. Titel: Edvard - Warten auf den versprochenen Augenblick. Youssef Tabti präsentierte das Projekt bereits in Marseille, Istanbul, Paris, Hannover, Kiel und natürlich in Lauenburg. Der gesprochene Text wird in verschiedensten Fotoarrangements gehört und wirkt so immer wieder anders. Der komplette Roman von Alexander Häusser wird im Frühjahr 2012 erwartet.
Bild 2:
Eva Ammermann, 52, Fotografie, lebt in Kuddewörde (Stipendium 2007)
hat davon profitiert, konzentriert für einen längeren Zeitraum an einem Projekt zu arbeiten. Nach ihrem Stipendium wurde sie Mitglied im Lauenburger Kunstverein und sieht die sechs Monate als Startschuss in ihre Künstlerlaufbahn. Als Modedesignerin hat sie sich mit ihrem Label L’aliment in Hamburg und Basel einen Namen gemacht. Ihr Projekt „Kunst im öffentlichen Raum“ mit Fotos und Interviews von Häusern in Lauenburg und deren Bewohner ist in der Stadtgalerie zu sehen.
Nicole Heinzel, 35, Rauminstallation, zog von Kiel nach Solothurn/Schweiz (Stipendium 2004)
Ihr Walstöpsel beweist, warum Schiffe immer Frauennamen tragen… oder auch nicht. Fiktion und Realität vermischt sie zu neuen oder „verrückten“ Geschichten. Auch Einsteins Relativitätstheorie legt sie in die Hände von Frau Einstein. Das Stipendium in Lauenburg war für sie eine wichtige Starthilfe in das selbstständige Künstlerleben. Heute arbeitet sie mit über 120 Künstlern in einem großen Atelier in Bern.
Segler-Kids der SGS 85 besuchen Klimahaus in Bremerhaven
Segler auf Grad 8 um die Welt
In ungefähr drei Stunden die Erdkugel umrunden - ein spannendes Abenteuer für die Kids der Segler-Gemeinschaft Schwarzenbek (SGS85).
Kurz vor dem Klarmachen der Boote am Ratzeburger See für die kommende Segelsaison Ende April hat eine Gruppe von 23 Kindern und Jugendlichen mit 21 Erwachsenen das Klimahaus 8 ° Ost in Bremerhaven besucht. Auf dem achten Längengrad haben sie die Erdkugel innerhalb von ungefähr 3 Stunden umrundet. Startpunkt und Ziel war Bremerhaven.
Über die bergige Schweiz ging es zum Ziegen- und Schafehüten nach Italien. In Niger und Kamerun wurde es immer wärmer, bitterkalt dagegen in der endlosen Eiswüste der Antarktis. Und dies nicht nur auf dem Papier, sondern hautnah gefühlt. Auf der anderen Seite der Erdkugel liegen das schwülwarme Samoa und das kalte Alaska auf dem 8en Längengrad. Die Menschen hier – die Yupik – leben seit Jahrtausenden von der Robbenjagd und dem Walfang. Bestattungen können wegen der dauernden Kälte nur oberirdisch stattfinden und Särge werden einfach auf dem Boden des Friedhofs abgestellt. Nach einem kleinen Aufenthalt auf der Insel Langeneß war die Reise in Bremerhaven wieder zu Ende.
Die ständigen Klimawechsel hat die Gruppe gut überstanden. „Die Gletscher in der Schweiz waren klasse“, erzählt Simon (13), während seine Schwester Antonia (13) die Urwaldatmosphäre auf Samoa am tollsten fand. Am anstrengendsten war der Besuch bei den Tuareg in Niger und die trockene Hitze in der Sahel-Zone bei 35 Grad Celsius. Unterschiedliche Klimaschwankungen, aber auch Sitten, Gebräuche und Lebensbedingungen waren am Abend in der Jugendherberge Gesprächsstoff.
Am Sonntag war die Verlockung groß, das Deutsche Schiffahrtsmuseum und den Museumshafen mit echten Traditionsschiffen, Schleppern und Eisbrechern zu besichtigen. Am Familientag war der Eintritt kostenlos. Hier konnte jeder in einem Seefahrtsimulator die eigene Hochseetüchtigkeit testen und ein Pottwalskelett bewundern. Die jährliche Optimistenralley kam in diesem Jahr etwas kurz, aber um eine Knotenprüfung mit Ausbilder Ole Schmidt kam keiner herum.
Klimahaus 8° Ost Bremerhaven
Das Klimahaus ist Teil der „Havenwelten“ in Bremerhaven. Der Komplex umfasst diverse Museen, Restaurants und Shoppingmöglichkeiten, die mehr als einen Tagesausflug wert sind. Das Deutsche Schiffahrtsmuseum, das Deutsche Auswandererhaus, der Museumshafen und andere Attraktionen sind ein Entdeckungsspaß für Jung und Alt.
Für einen virtuellen Besuch hier der Link:
Künstlerhaus Lauenburg: Muede Niltaenzer und Tueren aus Velan
Ein kurzes Vergnügen, innerhalb einer knappen Stunde wurde die Vernissage zur Finissage. Aber die Künstlerinnen von m.art.a (Moving Art Adventure – Bewegende Kunstabenteuer) nahmen es mit ihrem bewegenden Humor gelassen hin, dass auf die Begrüßung gleich der Abschied folgte. Sie hatten den Platz eines ausgeschiedenen Stipendiaten eingenommen und konnten deshalb ihr Projekt im Künstlerhaus erst später starten. Statt sechs hatten sie real nur vier Monate für ihr Projekt „Mailand – Flurstück 122/0“. Vernissage und Finissage fielen für sie auf einen Tag.
Das Quartett hat eines der sechs beliebten Kunststipendien am Künstlerhaus Lauenburg/Elbe bekommen. Sie gehören damit zur 25. Stipendiatengeneration, die am 20. Oktober 2011 offiziell vom Künstlerhaus verabschiedet wurde. „Wir hätten gerne noch weitergemacht“, schwärmen die vier Künstlerinnen, denn der Prozess der Veränderung, Verrückung und Bewegung hört nie auf. In orange-farbenen Arbeitskitteln erweckten sie mit ihrem Projekt die volle Aufmerksamkeit der Lauenburger Bevölkerung. Leerstehende Geschäftsräume haben sie in phantasieanregende Denkräume verwandelt. Die Buchstaben der Worte „LADEN ZU VERMIETEN“ wurden umgestellt und sogenannte Anagramme erstellt. „Muede Niltänzer“, „Drei Velan Muetzen“ oder „Tueren made in Velz“ war in den Schaufenstern Lauenburgs zu lesen. „Wann beginnt denn der Tanzkurs?“, wurden wir zum Beispiel gefragt, erzählt die Gruppe und freut sich, die Lauenburger in Bewegung gebracht zu haben. Es wurde gesprochen, gerätselt und diskutiert.
Nach den Gruß- und Dankesworten der Vereinsvorsitzenden Ulrike Mechau-Krasemann und Dr. Ursula Schild für die „abenteuerliche Zeit“ gab Literatur-Stipendiat Robert Cohn im Rahmen der Finissage Einblick in die Projekte der aktuellen Stipendiaten. Er selbst wollte ursprünglich seinen Emigrantinnen-Roman „Blatt, im Wasser treibend“ zu Ende bringen. Jedoch dermaßen inspiriert durch Lauenburg und die Elbe, wird es nun einen Erzählband mit Kurzgeschichten von ihm geben. Tatort: Lauenburg. Eine davon „Die Antwort weiß nur mein Fön“ gab er zum Besten und amüsierte und machte zugleich nachdenklich. Heiko Wommelsdorf imponierte den Gästen mit einer mathematischen Klanginstallation, die wie Noten angeordnet, zu betrachten war. Bei Eunyeon Yang hieß es „Malerei oder Skulptur oder Beides?“ In ihren Kunstwerken verbindet sie malerische und skulpturale Elemente. Daniel Moreira und Noriko Kawakami konnten an der Finissage nicht teilnehmen. Sie bereiteten sich für das 25-jährige Jubiläum des Künstlerhauses vor.
Bild 1:
Bewegende Kunstabenteuer mit m.art.a:
Sabine Dittmer, Juliane Plöger, Cristine Grandt und Julia Kaergel
(von links)
Bild 2:
Gemeinsamkeiten: „Jeder von uns Stipendiaten hat einen Platz an der Elbe“, symbolisiert Literat Robert Cohn anhand der Karte.
Bild 3:
Klang und Raum sind das Gebiet von Heiko Wommelsdorf. Hier: eine Klanginstallation in Noten angeordnet.







